MRT des Beckens (der Urogenitalorgane)

Im Rahmen der Ganzkörper-Magnetresonanztomographie werden die Gewebe und Strukturen des Beckens/Urogenitaltraktes (Harn- und Geschlechtsorgane der Frau/des Mannes) dargestellt und begutachtet. Nachfolgend geben wir Ihnen einen exemplarischen Überblick über mögliche anatomische Auffälligkeiten beziehungsweise Erkrankungen in diesem Bereich.

Urogenitalorgane der Frau

Bei der Ganzkörper-MRT können uns die Aufnahmen Aufschluss über diverse Erkrankungen der weiblichen Urogenitalorgane geben:

Gut zu erkennen sind die häufig auftretenden Myome in der Gebärmutter. Diese sind gutartige Tumore der glatten Muskulatur des Hohlorgans. In den meisten Fällen sind sie asymptomatisch.

Kleinste Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses können detektiert werden. Im MRT-Bild erscheinen die Bereiche signalstark. Im Verdachtsfall wird Ihr behandelnder Gynäkologe weitere Schritte einleiten.

Das Endometrium – die Gebärmutterschleimhaut – kleidet den Uterus aus. Dort nistet sich die befruchtete Eizelle für die weitere Entwicklung ein. Eine krankhafte Verdickung und unregelmäßige, signalreiche Struktur im MRT können auf ein Endometrium-Carcinom hindeuten. Unter Einsatz von Kontrastmittel ist dies besser abgrenzbar.

Die paarig angelegten Eierstöcke (Eierstock = Ovar, Ovarium) liegen im sogenannten kleinen Becken. Hier bilden sich häufig Zysten (Ovarialzyste oder Zystovar). Ihr Auftreten ist häufig zyklusabhängig. Manche von ihnen bilden sich selbstständig zurück, nur selten müssen diese Zysten operativ entfernt werden. Frühe Stadien von Eierstocktumoren können während der Ganzkörper-MRT eingegrenzt werden und zur weiteren Diagnostik vermerkt werden.

Des Weiteren betrachten wir in diesem Abschnitt den Zustand der Harnblase, die für die Speicherung des Urins zuständig ist. In der Blase lassen sich Polypen (Ausstülpungen der Harnwand) darstellen. Außerdem können Entzündungen der Blase und auch Blasenkarzinome (bzw. ihre Vorstufen) nachgewiesen werden.

Das stabilisierende und Halt gebende Gewebe, das die Bauch- und Beckenorgane an Ort und Stelle hält, ist der Beckenboden. Veränderungen der Muskulatur des Beckenbodens sind sehr gut im MRT abzubilden.

Der Leistenkanal im vorderen Bauchraum wird durch Muskelhüllen (Faszien) gebildet und kann eine Schwachstelle sein. Bei einem „weichen“ Leistenkanal kann es zum Leistenbruch kommen. Dabei stülpt sich das Bauchfell in diesem Bereich durch die Bauchwand. Eine Leistenschwäche kann im Ganzkörper-MRT sehr gut abgebildet werden. Falls ein Bruch vorliegt, werden wir Ihnen zu einer weiteren Abklärung bei einem Spezialisten raten.

Urogenitalorgane des Mannes

Gutartige Vergrößerungen der Prostata/Vorsteherdrüse (benigne Prostatahyperplasie) treten bei Männern häufig ab dem 50. Lebensjahr auf. Es kommt aufgrund der Vergrößerung der Drüse eventuell zum Harnverhalt, der unterschiedliche Ausmaße annehmen kann. In frühen Stadien kann man dies mit Medikamenten behandeln. Bei sehr schwerem Leidensdruck empfehlen Urologen eine TURP (Transurethrale Prostataresektion = Entfernen der Prostata im Rahmen eines minimalinvasiven Eingriffs.)

Tumorbedingte Veränderungen des Prostatagewebes und der nahe gelegenen Lymphknoten lassen sich heutzutage ebenfalls unter anderem mit Hilfe von diffusionsgewichteten und hochauflösenden Sequenzen im MRT erkennen. So kann in vielen Fällen eine unangenehme Gewebeentnahme (Biopsie) beim Urologen vermieden werden. Neben der regelmäßigen Bestimmung des PSA-Wertes wird Ihr Urologe gemeinsam mit weiteren Fachärzten ein geeignetes Therapiekonzept für Sie erstellen.

Darüber hinaus gibt das MRT Aufschluss über den Zustand der Bläschendrüsen („Samenblasen“ = hier werden keine Samen produziert, sondern nur Begleitflüssigkeit), die sich paarweise dem Blasenboden anlagern. Veränderungen ihrer Gewebestruktur, wie zum Beispiel verursacht durch Einblutungen, lassen sich sehr gut darstellen.

Des Weiteren bilden wir die Harnblase ab, wie unter Punkt MRT des Beckens bereits beschrieben. An dieser Stelle sei jedoch noch die Balkenblase – eine muskuläre Verdickung der Blasenwand erwähnt. Muskelmasse wird aufgebaut, da aufgrund der Einschnürung der Harnröhre durch die vergrößerte Prostata ein höherer Druck erforderlich ist, um den Urin abzulassen.

Hoden und Nebenhoden werden im MRT auf ihre Durchblutung überprüft, und es wird auf Anzeichen von entzündlichen Prozessen geachtet. Kontrastmittelgabe ist hier sinnvoll. Sie zeigen normalerweise eine homogene und signalreiche Struktur im MRT. Erste Gewebsveränderungen durch Hodentumore können ebenso abgegrenzt werden.

Auf die Leistenkanäle wurde bereits in Kapitel MRT des Beckens eingegangen.

Lymphknotenerkrankungen

Der medizinische Begriff Lymphe bedeutet klares Wasser. Die nahezu durchsichtige Lymphe, die Zellen mit Nährstoffen versorgt, die Gewebe entwässert sowie Stoffwechselabbauprodukte, Zellreste und Fremdkörper (Bakterien und Viren) transportiert, verläuft in den Lymphbahnen, die sich über den ganzen Körper ähnlich einem Straßennetz ausdehnen. Die Kreuzungspunkte der Lymphbahnen bilden die Lymphknoten. Diese haben eine wichtige Funktion bei der körpereigenen Abwehr: Dringen Erreger in den Körper ein, wird ihre Oberfläche analysiert und die Information an Abwehrzellen weitergegeben, um die Bakterien oder Viren anzugreifen und unschädlich zu machen. Dies ist der Grund, warum Lymphknoten bei einer Immunreaktion anschwellen können. Nach Abheilen des Infektes nehmen sie wieder ihre normale Größe an.

Sehr wichtig ist, dass sich bereits früheste Stadien von gut- oder bösartigen Lymphomen darstellen lassen. Sind diese durch einen bösartigen Tumor verursacht, spricht man auch von einem malignen Lymphom (Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome) oder es handelt sich um metastasenbedingte Vergrößerungen der Lymphknoten eines anderen Tumors.

Darüber hinaus treten fragliche Strukturveränderungen der Lymphknoten durch Lymphadenitis auf. Dies ist eine Entzündung der Lymphknoten, die durch Viren oder Bakterien hervorgerufen werden kann. Das MRT-Bild gibt hier Hinweise auf akute oder chronische Krankheitsverläufe des Körpers oder auch den direkten Befall der Knoten durch spezielle Erreger.

Freie Flüssigkeit

Freie Flüssigkeit im Bereich des Beckens und der Urogenitalorgane ist häufig ein indirektes Zeichen verschiedener Erkrankungen.

Das Peritoneum wird auch als Bauchfell bezeichnet, es besteht aus zwei „Blättern“, von denen eines die Bauchwand von innen auskleidet und das zweite „Blatt“ einen Teil der inneren Organe umschließt. Das Bauchfell produziert Flüssigkeit und kann diese auch absorbieren. Die Bewegung der inneren Organe gegeneinander kann aufgrund des Bauchfells reibungslos vonstatten gehen.

Ein Bauchfelltumor kann allerdings dazu führen, dass eine größere Flüssigkeitsmenge abgegeben als aufgenommen wird. Diese freie Flüssigkeit ist dann im Bauch- beziehungsweise Beckenraum nachzuweisen (Ascites).

Darüber hinaus können auch eine Leberzirrhose (chronische Erkrankung der Leber mit Rückbildung der Leberläppchen und Zerstörung der Lebergefäße) oder eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) Auslöser für den Peritonealerguss („Bauchwassersucht“) sein.

Ganz entscheidend ist auch das Erkennen der malignen (bösartigen) Peritonealcarcinose – einer  metastasenbedingten Infiltration des Bauchraums.

Lendenwirbelsäule

Die Lendenwirbelsäule besteht aus fünf Wirbeln, die durch Bandscheiben voneinander getrennt sind. Diese haben in erster Linie eine Pufferfunktion, um Krafteinwirkungen auf die Wirbelsäule abzufedern. Sie bestehen aus einem faserhaltigen Ring und einem weichen, gallertartigen Kern. Aufgrund von Fehl- beziehungsweise Überlastung oder altersbedingtem Verschleiß können die Bandscheiben sich verformen und in den Rückenmarkskanal vorwölben, oder aber es kommt sogar zum Riss des äußeren Rings und die gelartige Innenmasse tritt in den Rückenmarkskanal ein. Dort können dann in diesem Fall Nervenwurzeln tangiert und gereizt werden, was dann zu erheblichen Schmerzen, die überwiegend in die Beine ausstrahlen, führen kann. Im letzteren Fall spricht man von Prolaps oder Bandscheibenvorfall, eine Bandscheibenvorwölbung hingegen verläuft oftmals asymptomatisch.

Zur Darstellung krankheitsbedingter Knochenmarksprozesse ist die MRT-Bildgebung ebenfalls sehr gut geeignet. Zellverluste des Knochenmarks aufgrund von Blutarmut (Anämie) oder die krankhafte Vermehrung der Blutzellen bei Blutkrebs (Leukämie) lassen sich auf den MRT-Bildern sehr gut nachweisen.

Während der Vorsorgeuntersuchungen können bereits kleinste Veränderungen des Rückenmarks festgestellt und einer weiteren Diagnostik zugeführt werden.

Iliosakralgelenke

Die Kreuz-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke) stellen, wie der Name schon sagt, die Verbindung zwischen dem Kreuz- und dem Darmbein her.

Diese gelenkigen Verbindungen sind im MRT sehr gut darstellbar. Gerade im Hinblick auf das entzündlich-rheumatische Krankheitsbild des Morbus Bechterew, der von einem schleichenden Krankheitsprozess geprägt ist und über längere Zeit hinweg immer stärkere Beschwerden hervorruft, liefert uns die MRT wichtige Erkenntnisse.

Auf diese Weise gewinnen wir wichtige Daten über Ausprägung und Fortschritt der Krankheit, die interdisziplinär zur weiteren Diagnostik und Therapie verwendet werden können.

Unbehandelt kann Morbus Bechterew langfristig zu einer Versteifung von Wirbelsäule und Kreuz-Darmbein-Gelenk führen.

Hüftgelenke

Erkrankungen der Hüftgelenke früher erkennen und besser behandeln: Dies gehört zum Sinn und Zweck der Vorsorgeuntersuchung mit dem Ganzkörper-MRT.

Die hochauflösenden MRT-Bilder zeigen sehr genau, ob die beiden Hüftgelenke bereits von Arthrose betroffen sind. Arthrose ist eine Verschleißerkrankung, die nicht nur bei älteren Patienten auftritt. Aufgrund von Bewegungsmangel, Über- und Fehlbelastungen, Übergewicht und Verletzungen kann es zu einem Knorpelabbau im Gelenk kommen. Die Patienten leiden an Gelenkschmerzen, es bilden sich Gelenkentzündungen. Knochen reibt auf Knochen, ohne vom Knorpel abgepuffert zu werden.

Arthrose im Anfangsstadium lässt sich sehr gut mit gezielter therapeutischer Bewegung eindämmen, sodass die Patienten ihren Alltag normal meistern können.

Die Arthritis ist eine entzündliche Hüftgelenkerkrankung, die sich durch klassische Entzündungszeichen wie Anschwellen des Gelenks, Rötung oder Wärme bemerkbar macht. Die Ursachen für die Entzündung können sehr unterschiedlich sein. Mittels MRT lassen sich verschieden ausgeprägte Entzündungsstadien sehr gut abbilden. Insbesondere die sogenannte Coxitis fugax (der „Hüftschnupfen“), welche vor dem Einsatz der MRT nicht diagnostizierbar war, lässt sich sicher erkennen.

Bei einer Hüftkopfnekrose handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes, wobei ein Teil des knöchernen Anteils absterben kann und sich dadurch Verformungen des Hüftkopfes bilden. Bei rechtzeitiger Befunderhebung kann der behandelnde Orthopäde/Chirurg das Fortschreiten der Krankheit zum Beispiel durch Knochen-Knorpel-Transplantate stoppen. Frühzeitiges Erkennen trägt dazu bei, die Hüfte zu erhalten.

Eine Osteopenie der Hüfte kann Anzeichen für eine spätere Osteoporose sein. Deutlich zeigen sich die Veränderungen der Knochendichte auf der MRT-Aufnahme. Je früher diese krankhaften Veränderungen des Hüftknochens erkannt werden, desto besser greift die nachfolgende Therapie.

Femoro-Acetabuläres Impingement (FAI) = einklemmende Hüfte: Hierbei besteht ein mechanisches Problem zwischen Hüftkopf und Pfanne. Man unterscheidet hierbei zwei Arten:

  • Pincer-FAI: Die Beschwerden werden durch eine übergroße Oberschenkelkopfüberdachung verursacht.
  • CAM-FAI: Hier lösen knöcherne Höcker des Oberschenkelhalsknochens ganz in der Nähe des Gelenks die Probleme aus.

Der Abstand ist zu eng, deshalb kann bei Bewegung die Gelenklippe oder der Knorpel eingeklemmt werden, Schmerzen in der Leiste und in den Hüftgelenken entstehen. Eine Schädigung der Gelenklippe bzw. des Knorpels kann mit Hilfe des MRTs aufgedeckt werden.

Häufig sind sogenannte Bursitiden (Schleimbeutelentzündungen) im MRT darstellbar. Sie können verantwortlich für Hüftschmerzen sein. Oftmals sind Sportler aufgrund von Fehl- beziehungsweise Überlastung der Hüfte von Schleimbeutelentzündungen betroffen. Da die Schleimbeutel zum Teil durch Hüftmuskulatur bedeckt sind, lässt sich eine Entzündung anhand der Schichtaufnahmen sehr gut vom gesunden Gewebe abgrenzen.

 

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